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Wenn man die Menschen fragt, ob sie gerne im Wald spazieren gehen, werden die meisten dies mit einem eindeutigen JA beantworten. Sie genießen die Ruhe, die gute Luft, den Schatten unter den Bäumen, die unterschiedlichen Vogelstimmen. Und vielleicht sieht man bei einem Spaziergang auch ein Reh, einen Hasen, einen Bussard – ein schönes Erlebnis. „Waldbaden“ tut uns gut, stärkt unser Immunsystem, wir können tief durchatmen und abschalten. Der Wald und die Bäume sind für ca. 6.700 Tierarten ein wichtiger Lebensraum, er ist unverzichtbar für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Eine Welt ohne Bäume wäre undenkbar.

Der Wald ist nicht nur Erholungs- und Lebensraum, er liefert auch wertvolles Bau- und Brennholz. Die Nachfrage ist enorm gestiegen, es kommt bereits zu Lieferengpässen. Die Abholzung und Zerstörung der Wälder haben weltweit zugenommen, die Aufforstungen hinken weit hinterher oder erfolgen erst gar nicht. Wie lange geht das gut?

Ebersberger Forst (Foto: Tom Sievers)

Bäume sind vor allem wichtig für das Klima. Sie binden Kohlenstoffe; neutralisieren Kohlendioxid und bremsen so den Klimawandel: Eine 23 m hohe Buche hat in ihrem Leben etwa 1 Tonne C02 gespeichert. Ein Mensch verursacht in einem Jahr ca. 9 Tonnen C02 Emissionen! Bäume produzieren Sauerstoff: Schon ein 20 m hoher Baum produziert ca. 10.000 Liter Sauerstoff am Tag. Bäume sind Staubfilter: Ein einziger Baum filtert über seine Blätter oder Nadeln bis zu 100 kg Staub pro Jahr aus der Luft; Bäume sind die „Grüne Lunge“ unseres Landes. Bäume sind Schattenspender: An heißen Sommertagen kann die gefühlte Temperatur unter einem Baum ca. 10 – 15 Grad niedriger liegen. Ein Baum verdunstet bis zu 500 l Wasser am Tag und leistet die Kühlleistung von 10 – 15 Klimaanlagen. Durch die Klimaerwärmung steigen vor allem in den Städten die Temperaturen deutlich an. Viele schattenspendende Bäume schützen also auch vor Überhitzung und sparen Energie.
Markus Söder hat 2019 angekündigt, in den kommenden 5 Jahren zum Schutz des Klimas 30 Mio. Bäume zu pflanzen!

Poing ist die drittkleinste Gemeinde im Landkreis, hat jedoch die zweithöchste Einwohnerzahl und zwangsläufig eine dichte Bebauung. Jeder Baum, jeder Strauch, jede Grünfläche, wirkt der Klimaerwärmung und der Überhitzung entgegen. Daher begrüßen wir es, dass die Poinger Gemeindeverwaltung die vorhandene Baumschutzverordnung zukunftsweisend überarbeitet, wertvolle Bäume dadurch schützt und ein wichtiger Beitrag für unser Klima geleistet wird.
Vielleicht ist auch in Ihrem Garten noch Platz für einen Baum – denn jeder Baum hilft!

In der letzten Sitzung des Bauausschusses wurde u.a. über die Novellierung der Baumschutzverordnung gesprochen. Diese Überarbeitung läuft bereits viele Jahre, da es recht schnell zu einer Grundsatzdiskussion kommt: Was ist eigentlich das Ziel? Was wollen wir schützen, was gestatten?

Im aktuellen Entwurf stehen einige Dinge ohne nachvollziehbarer Begründung. So werden z.B. Obstbäume pauschal nicht geschützt, auf Nachfrage von Werner Dankesreiter (GRÜNE) konnte auch niemand sagen warum. Aber Esskastanie und Walnuss sind von der Ausnahme ausgenommen. Warum dann nicht zum Spaß noch eine spezielle Walnuss-Art von der Ausnahmenausnahme ausnehmen, um ein rautavistisches Meisterwerk zu schaffen? Ach ja: Nadelbäume sind jetzt wieder schützenswert, aber Fichten eher nicht. Ist einfach so — die Gründe würden bestimmt die Bevölkerung verunsichern.

Spaß beiseite. Die aktuelle Fassung ist in Teilen noch etwas… sagen wir: undurchsichtig. Also sollte man mal einen Schritt zurück gehen. In der Sitzung sprach mir mein Kollege Günter Scherzl aus der Seele, als er sagte: „Ich mag ja grundsätzlich alle Bäume gleich gerne“. Werner Dankesreiter bestätigte: „Es gibt keine hochwertigen und niederwertigen Bäume“. Absolut richtig, das sollte doch die Basis sein.

Natürlich gibt es Arten, die in einem kleinen Vorgarten ungeeignet sind oder die nach einiger Zeit zum Sicherheitsrisiko werden können — und auf der anderen Seite jene, die man als „besonders ortsbildprägend“ bezeichnen könnte. Genau diese Aspekte sollten sich doch in der Verordnung widerspiegeln:

  • Eine Liste führt auf, unter welchen Bedingungen die Fällung eines Baumes gestattet oder gar erforderlich ist (in der aktuellen Fassung bereits vorhanden). In allen anderen Fäll(ung)en muss erst eine Genehmigung eingeholt werden.

  • Jede Fällung führt zu einer klar geregelten Ersatzmaßnahme.

  • Als Ersatzpflanzung wird auf eine qualifizierte Liste mit „ortsbildprägenden“ Arten verwiesen, wie sie zum Teil ja bereits für einige Quartiere Poings existieren (z.B. in Umweltgutachten mancher Bebauungspläne). Hier wären Empfehlungen wahrscheinlich besser als rigide Vorschriften.

Nur so wird für alle ersichtlich, was erlaubt ist, warum es erlaubt ist und wie zu handeln ist.

Derzeit werden noch weitere Stellungnahmen von verschiedenen Seiten eingeholt und in den Entwurf eingearbeitet, bevor die Verordnung dann am 20. Mai wieder zur Abstimmung steht. Ich hoffe, dass die finale Version ökologisch sinnvoll, städteplanerisch zielführend und mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar sein wird.