In der Sitzung am 10. Dezember 2020 werden wir dir darüber beraten, ob sich Poing als Standort für das geplante Wasserstoff-Technologie-Anwender-Zentrum (WTAZ) bewerben soll. Hierbei geht es um den Bau einer Einrichtung, die die Nutzung von Wasserstoff (H₂) erforscht — vor allem in Fahrzeugen. Die Gemeinde bewirbt sich dabei nicht selber, sondern stellt sich für eine Bewerbung der HYNERGY GmbH zur Verfügung, die sich um den eigentlichen Ablauf kümmert.

Die Anfrage kam so kurzfristig herein, dass der Gemeinderat nun in Rekordzeit über das Für und Wider eines solchen Großprojektes entscheiden muss.

Pro:

  • Klima- und Umweltschutz nicht nur als Lippenbekenntnis — Poing als Forschungsstandort, um die Energiewende im Verkehr voranzutreiben

  • Optimale Lage für ein solches Vorhaben (S-Bahn, Autobahn, Unis)

  • relativ geringe Verkehrsbelastung erwartet

  • Ansiedlung von kleinen und mittelständischen Unternehmen der H₂-Branche (mit perspektivischer Aussicht auf Gewerbesteuereinnahmen) erwartet

  • Agro-PV: Der Bau einer Photovoltaikanlage, die eine gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung der darunterliegenden Fläche ermöglicht, wird in Aussicht gestellt

  • H₂-Tankstelle für den regionalen ÖPNV wird in Aussicht gestellt

  • Keine direkten Kosten für die Gemeinde

Bei all diesen rosigen Aussichten gibt es natürlich auch einige Fragezeichen:

Contra:

  • Zeitschiene: Eine weitreichende Entscheidung muss in kürzester Zeit getroffen werden (vgl. Ablauf in Zorneding)

  • Hype-Technologie“: Es werden große Chancen in Aussicht gestellt, aber keine langfristige Planungssicherheit gegeben

  • Anwendung, nicht Gewinnung: Wasserstoff wird dort nicht gewonnen, sondern wird von woanders angeliefert (Gewinnung durch Wasserkraft)

  • Gemeinnützige Forschung: Auf absehbare Zeit sind für die Gemeinde keine unmittelbaren Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten

Trotz der Ungewissheit, ob und welche Firmen sich im/am Zentrum ansiedeln werden, sind wir dem Vorhaben gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt.

Bei dem Areal in Grub wird gerne vom „Filet-Stück“ der Gemeinde gesprochen, das nur für hochwertige Gewerbebetriebe angetastet werden sollte, die einen besonderen Mehrwert für Gemeinde und Region versprechen. In meinen Augen erfüllt das geplante WTAZ diese Anforderung — zumindest auf dem Papier. Die Bewerbung ist daher meines Erachtens nach eine Chance, die wir nutzen sollten. Denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.